März 2022
März 2022

Münze des Monats

© Robert Dylka

Suchmeldung: Ein Tremissis des Honorius aus der Sammlung Apostolo Zeno

Im November 2018 ist unter ungeklärten Umständen eine Goldmünze, ein Tremissis des Kaisers Honorius (393–423 n. Chr.), aus der Sammlung des Archäologischen Museums der Universität Münster gestohlen worden. Der Diebstahl wurde am 19.11.2018 bei der Staatsanwaltschaft Münster angezeigt, ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet (Aktenzeichen: 62 UJs 367/19). Am 30.1.2019 wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt, weil ein Täter nicht ermittelt werden konnte.

Im Folgenden soll die Münze bekannt gemacht werden. Sollte das Exemplar in den Handel gelangen, bitten wir um Mitteilung an das Archäologische Museum der Universität Münster oder an die Staatsanwaltschaft Münster.

Die Münze ist unter der Inventarnummer M 2653 im Archäologischen Museum der Universität Münster inventarisiert. Es handelt sich um einen Tremissis des Kaisers Honorius aus der Münzstätte Ravenna:

 

Honorius (393–423 n. Chr.)

Tremissis, Ravenna, AV, 1,49 gr., 13 mm, 12 h

Av.: D N HONORI-VS P F AVG. Drapierte Panzerbüste des Honorius mit Perlendiadem n. r.

Rev.: VICTORIA – AVGVSTORVM. Victoria n. r., Kranz in der erhobenen Rechten und Kreuzglobus in der vorgestreckten Linken. Im Feld l. und r. R – V, im Abschnitt COM

RIC X Nr. 1289 (fehlerhafte Rückseitenbeschreibung); Cohen VIII 2(1892, ND 1930) 185 Nr. 47; Depeyrot 1996, 189 Nr. 10/1

 

Der Münztyp wird von Philip Grierson und Melinda Mays einer Prägung zwischen 402 und 408 n. Chr. zugewiesen (Grierson – Mays 1992, 200. 202 Nr. 737). Der Münztyp ist nicht selten und wird im RIC mit einer Häufigkeit von »R2« angegeben. Einen besonderen Wert hat das Münsteraner Stück aber wegen seiner Herkunft: Das Exemplar stammt aus der Sammlung Apostolo Zeno, die einen wichtigen Grundstock der Münsteraner numismatischen Sammlung bildet. Der venezianische Gelehrte Apostolo Zeno (1668–1750) hatte eine umfangreiche Münzsammlung zusammengetragen, die er 1747 an das Kloster St. Florian nahe Linz verkaufte. Das Kloster wiederum veräußerte die Sammlung, von der große Teile 1955–1957 im Auktionshaus Dorotheum in Wien versteigert wurden (Dorotheum Wien, Sonder-Münzenauktion. Sammlung Apostolo Zeno 1668–1750 I–III (Wien 1955–1957)). Im Auktionskatalog ist der Tremissis unter der Nummer 2394 gelistet und er wurde 1956 aufgerufen. Peter Berghaus ersteigerte für die Universität Münster und für das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster nennenswerte Anteile der Sammlung Apostolo Zeno. Insgesamt 773 überwiegend römische Münzen gelangten auf diese Weise in das Archäologische Museum der Universität Münster. Mit der Sammlungsgeschichte dieser historisch wertvollen Kollektion hat sich Roberto Tomassoni in seiner 2021 in Venedig und Münster abgeschlossenen Dissertation ausführlich befasst (Tomassoni 2021. In seiner noch unpublizierten Dissertation ist der Tremissis S. 395 als Nr. 630 verzeichnet).

Das Münsteraner Exemplar wurde 2012 publiziert (Tenchova 2012, 151 Nr. 13). Der Erhaltungszustand ist gut. Das Stück wurde auf einem etwas zu kleinen Schrötling geprägt, so dass die Randbegrenzung nur teilweise erhalten ist. Auf der Vorderseite deutet eine flaue Prägung am Kinn, am Hinterkopf und im Bereich des ersten Teils der Legende auf einen häufig benutzen Stempel. Markant ist auch der horizontal geführte Schnitt, der an der Wange, dem Ohrläppchen und im Nacken Spuren hinterlassen hat. An der Nase ist ein deutlicher Riss parallel zum Nasenrücken zu erkennen und am Auge eine Fehlstelle. Am Hals sind senkrechte parallel geführte Kratzspuren sichtbar. Die Rückseite ist gut geprägt, abgegriffene Bereiche sind der Kopf der Victoria, der Kreuzglobus und das Gewand.

Es steht zu hoffen, dass durch diese Suchmeldung das Exemplar aufgefunden, identifiziert und in die Münsteraner Sammlung restituiert werden kann, damit dieser bedeutende Teil der Sammlung Apostolo Zeno wieder in seiner Gesamtheit Forschung und Lehre zugeführt werden kann.

A. Lichtenberger, Suchmeldung: Ein Tremissis des Honorius aus der Sammlung Apostolo Zeno, OZeAN. Online Zeitschrift Zur Antiken Numismatik 4, 2022, 33–35

 

Literatur:

  • H. Cohen, Description historique des monnaies frappées sous l’Empire romain communément appelées médailles impériales I–VIII 2(Paris 1880–1892)
  • G. Depeyrot, Les monnaies d’or de Constantin II à Zénon (337–491), Collection Moneta 5 (Wetteren 1996). http://www.worldcat.org/oclc/1249897259
  • P. Grierson – M. Mays, Catalogue of Late Roman Coins in the Dumbarton Oaks Collection and in the Whittemore Collection. From Arcadius and Honorius to the Accession of Anastasius (Washington 1992). http://www.worldcat.org/oclc/1277339762
  • A. Tenchova, Katalogeintrag »13. Honorius (393–423)«, in: M. Grünbart (Hrsg.), Gold und Blei. Byzantinische Kostbarkeiten aus dem Münsterland (Wien 2012) 151. https://d-nb.info/1022760211
  • R. Tomassoni, La collezione numismatica di Apostolo Zeno (Dissertation Venedig und Münster 2021). https://fina.oeaw.ac.at/wiki/index.php/Tomassoni_2021