Münze des Monats

Februar 2025
© Lutz-Jürgen Lübke (Lübke & Wiedemann)

Hexagramm von Herakleios I.

Hexagramm, Konstantinopel, 615–638 n. Chr. (DOC 63)

Avers: [d d N N hERACLIU]S Et hERA CONSt P[PA] (Domini Nostri Heraclius et Heraclius Constantinus Perpetui Augusti). Herakleios I. (l.) und Herakleios Constantinos (r.) nebeneinander auf einem spärlich angedeuteten Thron sitzend, in Frontalansicht. Beide mit verschiedenen Kronen und in ihrer Rechten einem Kreuzglobus. Zwischen beiden oben ein Kreuz.

Revers: dEUS AdIUtA [R]OMANIS [Deus Adiuta Romanis]. Kreuz auf Globus auf drei Stufen. Im Feld rechts ein I.

Gewicht: 6,48 g; Durchmesser: 27 mm; Stempelstellung: 1 Uhr

Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett, Objektnummer 18204158 (https://ikmk.smb.museum/object?id=18204158)

 

Die hier thematisierte Münze ist eine Prägung des byzantinischen Kaisers Herakleios (610–641 n. Chr.) und befindet sich heute in der Sammlung des Berliner Münzkabinetts Berlin. Die ersten Prägungen der Hexagrammata werden in das Jahr 615 n. Chr. datiert. Ihr Gewicht von sechs grammata (6,48 g), gab der Münze ihren Namen: „Hexagramm“. Welchen Wert die Münze hatte, ist nicht eindeutig belegt. Es wird vermutet, dass die Münze einem doppelten Miliaresion oder dem zwölften Teil eines Solidus entsprach.

Auf dem Avers lässt sich Kaiser Herakleios frontal auf einem Thron darstellen. Rechts neben ihm thront sein ältester Sohn Constantinos, der als Constantin III. (oder Constans II.) seine Nachfolge antrat. Der Kreuzglobus (Sphaira) in ihrer rechten Hand steht sinnbildlich für die Herrschaft über den römischen Erdkreis. Die Legende auf dem Avers endet in der Beschreibung des Münzkabinetts mit CONSt. Die dort nicht angegebenen, auf der Münze aber annähernd lesbaren Buchstaben PP [A] für perpetui Augusti sind zu ergänzen. Der Revers zeigt ein Kreuz auf einem Globus auf drei Stufen. Die Legende lautet übersetzt „Gott hilf den Römern“.

Zu Beginn von Herakleios’ Herrschaft befand sich das byzantinische Reich in einer schwierigen Lage: 611 n. Chr. eroberten die persischen Sassaniden Antiochia und drei Jahre später auch Jerusalem; dort raubten sie das ‛wahre Kreuz’, an dem Jesus gestorben sein soll, die wichtigste Reliquie der Christenheit. Im Jahr 619 n. Chr. ging dann die gesamte Provinz Aegyptus an die Sassaniden verloren, damit waren die so wichtigen Getreidelieferungen aus dem Nilland unterbrochen. Im folgenden Jahr brach eine Hungersnot im byzantinischen Reich aus. Auf dem Balkan wurden die Byzantiner von den Awaren und den Slawen zurückgedrängt und im Jahr 625 n. Chr. ging für die Byzantiner die Provinz Spanien an die Westgoten verloren.

Auslöser von Herakleios’ Münzreform war die problematische Wirtschaftslage, in der sich das byzantinische Reich durch die Kriege und seine territorialen Verluste gegen die Sassaniden befand. Um die Staatsfinanzen zu stabilisieren, ließ Herakleios Kirchenschätze einschmelzen, um daraus in großen Mengen Münzen prägen zu können. Da die meisten Funde von Hexagrammata aus den angrenzenden Regionen des byzantinischen Reiches bekannt sind, beispielsweise aus Rumänien, Ungarn oder dem Kaukasus, ist davon auszugehen, dass mit dem Hexagramm in erster Hinsicht Tribute ausgezahlt wurden, um Frieden zu erkaufen, aber auch, um Söldner für die Armee anzuwerben.

622 n. Chr. zog Herakleios selbst in den Krieg und war damit der erste byzantinische Kaiser nach 200 Jahren, der persönlich seine Truppen in die Schlacht führte. In Abwesenheit des Kaisers wurde die Hauptstadt Konstantinopel (626 n. Chr.) von einem Bündnis der Slawen, Awaren und Sassaniden belagert. Die Belagerung konnten die Byzantiner durch ihre überlegene Flotte erfolgreich abwehren. Heraklios selbst konnte auf seinem Feldzug militärischen Erfolge verzeichnen: 627 n. Chr. gelang dem Kaiser und seinen Truppen bei Ninive ein entscheidender Sieg über die Sassaniden. Infolgedessen mussten diese die eroberten Gebiete wieder an Byzanz abtreten und das Kreuz von Jerusalem zurückgeben. In einem Triumphzug zog Herakleios in die Stadt ein und brachte die Reliquie zurück zur Grabeskirche.

Die Erfolge des Kaisers waren aber nicht von langer Dauer. Mit dem Erscheinen der muslimischen Araber sahen sich die Byzantiner einem neuen Gegner gegenüber, dem sie wenig entgegenzusetzen hatten. 638 n. Chr. eroberten die Araber die Provinzen Syria und Palaestina. Vier Jahre später ging auch die Provinz Aegyptus verloren. Als Kaiser Herakleios 641 n. Chr. starb, hatte das byzantinische Reich große Teile seines Territoriums verloren.

Das Hexagramm als neue Währung konnte sich nicht durchsetzen und die Prägung dieser Münze wurde gegen Ende des 7. Jh. n. Chr. eingestellt. Trotzdem ist es in der byzantinischen Numismatik eine Besonderheit. Mit dem Hexagramm spielt wieder, nach fast 200 Jahren, eine Silberprägung als Zahlungsmittel eine Rolle. Zudem ist der Herausgeber, Kaiser Herakleios, unter den byzantinischen Kaisern eine herausragende Persönlichkeit. Er führte das Reich aus einer militärischen Krise und verließ dazu die Hauptstadt Konstantinopel, um persönlich die Truppen anzuführen, was nach ihm kein anderer Kaiser in der Geschichte des byzantinischen Reiches mehr tat. Zu seiner Würdigung des wurde das Hexagramm als Münze des Monats für den Monat Februar 2025 ausgewählt.

(Leif Kullmann, Teilnehmer der Herbstschule 2024)

 

Literatur

  • A. R. Bellinger, Catalogue of the Byzantine Coins in the Dumbarton Oaks Collection and in the Whittemore Collection II. Phocas to Theodosius III,1, 602–717 (Washington 1968)
  • H. Goodacre, A Handbook of the Coinage of the Byzantine Empire (London 1967)
  • Ph. Griersoon, Byzantine Coins (Los Angeles 1982)
  • B. Kluge, Numismatik des Mittelalters (Berlin 2007)
  • R.-J. Lilie, Byzanz. Geschichte des oströmischen Reiches (München 2014)
  • D. R. Sear, Byzantine Coins and their Values (London 1974)
  • A. U. Sommer, Die Münzen des byzantinischen Reiches 491–1453 (Regenstauf 2010)
  • W. E. Kaegi, Heraclius, Emperor of Byzantium (Cambridge 2003)