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Münster (upm/ch).
Carina Bücker ist Feinwerkmechanikermeisterin in der feinmechanischen Werkstatt des Instituts für Kernphysik.<address>© Uni MS - Johannes Wulf</address>
Carina Bücker ist Feinwerkmechanikermeisterin in der feinmechanischen Werkstatt des Instituts für Kernphysik.
© Uni MS - Johannes Wulf

Auf ein Stück Mohnkuchen …

… mit Carina Bücker, Feinwerkmechanikermeisterin am Institut für Kernphysik

Wenn man die feinmechanische Werkstatt des Instituts für Kernphysik betritt, läuft man direkt auf Carina Bückers Lieblingsmaschine zu: eine moderne Fünf-Achs-Simultanfräse, die das Werkstück in einem Rutsch von allen Seiten bearbeiten kann. Damit das reibungslos klappt, programmiert die Feinwerkmechanikermeisterin den Prozess zunächst am Computer und erstellt eine detaillierte 3-D-Simulation. Die stellvertretende Werkstattleiterin spricht laut, während sie die Fräse vorstellt, um den Umgebungslärm zu übertönen: Einer ihrer Kollegen ist nebenan an der Drehbank beschäftigt, die Maschine dröhnt, Metallspäne fliegen.

Das Handwerk liegt Carina Bücker im Blut. Ihr Vater ist Elektriker und hat sie als Kind häufig mitgenommen, wenn er in seiner Werkstatt zu tun hatte. Für Carina Bücker war früh klar, dass sie mit den Händen arbeiten will. In ihrer ersten Ausbildung an der Universität Münster lernte sie den Beruf der geologisch-paläontologischen Präparatorin. Über ein Praktikum hatte sie während dieser Zeit Gelegenheit, am Institut für Mineralogie in den Beruf der Feinwerkmechanikerin hineinzuschnuppern. Das war genau ihr Ding. Sie hing daher am Physikalischen Institut an ihre erste Ausbildung direkt eine zweite dran. Ein Jahr lang arbeitete sie anschließend außerhalb der Uni, ging 2014 zurück in die Werkstatt des Physikalischen Instituts und wechselte im Herbst vergangenen Jahres in ihre jetzige Position. Die Arbeit des Werkstattteams ist für die experimentell arbeitenden Physikerinnen und Physiker des Instituts für Kernphysik Gold wert. Ob individuelle Anpassungen von Versuchsaufbauten, Produktion von Bauteilen für Experimente oder kompetenter Rat: Ohne die Werkstattcrew würde vieles nicht funktionieren.

Carina Bücker arbeitet „super gerne“ dort. Es macht ihr auch nichts aus, als einzige Frau im Team mit fünf Männern zu arbeiten. „Ich bekomme viel Unterstützung vom Fachbereich und von meinen Kollegen. Aber ich habe auch gelernt, dass ich laut sein muss, wenn ich in meinem Beruf gehört werden will. Die üblichen höflichen Konversationsregeln – zuhören, ausreden lassen – funktionieren im Handwerk oft nicht.“ Die 39-Jährige hat aufgrund ihres Geschlechts Probleme erlebt, die es bei einem Bürojob nicht gibt. Zum Beispiel musste sie – wie auch alle anderen Frauen an der Uni im Handwerksbereich – über Jahre hinweg Herrenarbeitshosen tragen. „Das klingt lustig und nicht nach einem Problem“, sagt sie. „Es war für mich aber nicht lustig.“ Schließlich rutschte der Bund bei jeder „falschen“ Bewegung nach unten, weil er nicht passend in der Taille saß, die Arbeit wurde manchmal zum Spießrutenlauf. Carina Bücker hat sich für passende Kleidung stark gemacht, sie blieb hartnäckig. Seit einiger Zeit ist das Problem gelöst: Die Universität kauft nun bei einem Ausstatter ein, der auch Damenarbeitshosen im Sortiment hat.

Carina Bücker ist nicht nur Feinwerkmechanikerin, sondern seit Jahren auch Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs Physik. Irgendwie sei sie in diese Aufgabe reingerutscht, berichtet sie, was auch mit ihrem Einsatz für die richtige Kleidung für Frauen zu tun habe. Mittlerweile sei es ihr eine Herzensangelegenheit. Sie setzt sich für die Belange von Studentinnen und Mitarbeiterinnen am Fachbereich Physik ein und ist bei Problemen wie Diskriminierung und sexueller Belästigung ansprechbar.

Das Handwerk lässt Carina Bücker auch privat nicht los. Wenn zum Beispiel Möbel in ihrer Wohnung nicht richtig passen, macht sie sie passend. Demnächst kann sie sich auch die Metallbeine eines Hockers vorknöpfen, die eine kleine Korrektur benötigen: Sie bildet sich dienstlich fort und lernt das Schweißen. Die leidenschaftliche Handwerkerin hat aber auch „viele Akademikerfreunde“, wie sie augenzwinkernd sagt. „Die rufen mich an, wenn es darum geht, die Möbel bei einem Umzug richtig im Transporter zu verstauen oder wenn die Heizung gluckert.“

Autorin: Christina Hoppenbrock

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen|leben Nr. 2, 2. April 2025.

Mit einem Stück Mohnkuchen im Gepäck besuchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit für jede Ausgabe Universitätsbeschäftigte, um mit ihnen über Besonderheiten ihres Arbeitsplatzes zu sprechen.

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