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Münster (upm).
Prof. Dr. Philip Bockholt vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft baut eine Nachwuchsgruppe an der WWU auf.<address>© WWU - Meike Reiners</address>
Prof. Dr. Philip Bockholt vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft baut eine Nachwuchsgruppe an der WWU auf.
© WWU - Meike Reiners

Philip Bockholt erhält Emmy-Noether-Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Islamhistoriker über sechs Jahre mit 1,6 Millionen Euro

Der Islamhistoriker Prof. Dr. Philip Bockholt vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster erhält eine Förderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die DFG finanziert seine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe mit dem Titel „Innerislamischer Wissenstransfer im Rahmen arabisch-persisch-osmanischer Übersetzungsprozesse im östlichen Mittelmeerraum zwischen 1400–1750“ bis 2028 mit rund 1,6 Millionen Euro. Mit der Förderung wird Philip Bockholt ein Forschungsteam aufbauen, das Quellen in arabischer, persischer und türkischer Sprache im Hinblick auf Übersetzungsprozesse untersucht. Das Emmy-Noether-Programm hat zum Ziel, herausragenden Nachwuchsforscherinnen und -forschern wissenschaftliche Unabhängigkeit zu bieten und sie für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.

„Übersetzungsprozesse haben eine wichtige Rolle bei der Herausbildung des Osmanischen Reiches in der Frühen Neuzeit gespielt“, betont der 38-Jährige, der seit dem Beginn des laufenden Wintersemesters an der WWU lehrt und forscht. „Wir möchten zeigen, dass osmanisch-türkische Übersetzungen aus dem Arabischen und Persischen zu Auflösungsprozessen kultureller und literarischer Mehrdeutigkeit zwischen dem sunnitischen und schiitischen Islam beigetragen haben.“ Die Erkenntnisse sollen helfen, geistesgeschichtliche Entwicklungen der Region zu verstehen.

Vier Teilprojekte behandeln unterschiedliche Literaturgattungen, vor allem Übertragungen historiografischer, biografischer, enzyklopädischer und exegetischer Texte. Die Nachwuchsgruppe untersucht insbesondere Handschriften und beleuchtet dabei nicht nur den Inhalt der Werke, sondern anhand von sogenannten paratextuellen Elementen wie Besitzvermerken, Stempeln oder Illustrationen auch deren Leserschaft.

Zur Person:

Philip Bockholt studierte Islamwissenschaft, Geschichte und katholische Theologie in Bochum, Münster, Berlin, Jerusalem, Istanbul, Kairo sowie Teheran und promovierte 2018 an der Freien Universität Berlin zu persischer Weltgeschichtsschreibung um 1500. Von 2018 bis 2022 war er am Orientalischen Institut der Universität Leipzig tätig und als Gastwissenschaftler zeitweise in Sankt Petersburg, Jerusalem, Madrid, Paris und Istanbul.

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