
"Lebende Zäune" für mehr Biodiversität
Ob Brasilien, Kolumbien oder Venezuela: Wo einst dichter Regenwald stand, ist vielerorts kaum noch ein Baum zu sehen. Vor allem für Plantagen und Weideland muss immer mehr Wald weichen. Was übrig bleibt, sind nicht zusammenhängende, von Nutzflächen durchschnittene Waldgebiete – für die betroffenen Ökosysteme eine Katastrophe. Ökologen aus Münster und Göttingen haben nun in Zusammenarbeit mit amerikanischen Wissenschaftlern der Biologischen Station Las Cruces in Costa Rica herausgefunden: Reste tropischen Regenwalds mit "lebenden Zäunen" aus Bäumen und Sträuchern zu verbinden fördert die Ausbreitung von Kolibris und damit die Bestäubung einheimischer Pflanzenarten durch diese Vögel. Isolierte Pflanzen erhalten dagegen weit weniger Pollen und bilden entsprechend weniger Früchte aus. Die Arbeit wurde in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

"Die Zerstörung und Fragmentierung natürlicher und naturnaher Lebensräume in Kulturlandschaften ist eine der wichtigsten Ursachen der augenblicklichen Verluste an biologischer Vielfalt und ihrer wichtigen ökologischen Funktionen. Ihr Erhalt und die Schaffung von verbindenden Landschaftselementen sind daher von zentraler Bedeutung", betont Tierökologe Christoph Scherber.
Originalveröffentlichung:
Urs Kormann et al. (2016): Corridors restore animal-mediated pollination in fragmented tropical forest landscapes. Proceedings of the Royal Society B, published 27 January 2016. DOI: 10.1098/rspb.2015.2347