Viele Internetangebote der strategischen Kommunikation sind auf eine gut gebildete deutsche Zielgruppe ausgerichtet. Oft werden dabei weder andere Zielgruppen angesprochen noch eine Darstellungsform gewählt, die auch anderen Zielgruppen insbesondere Menschen mit Einschränkungen gerecht wird. Andererseits liegen viele Anregungen und Tools vor, um solche Exklusionen zu vermeiden. Daran anknüpfend, befasst sich das Forschungsseminar mit barrierefreier und diskriminierungsfreier strategischer Kommunikation sowohl aus der Perspektive der Angebote als auch deren Nutzung.
Im ersten Teil des Seminars nähern wir uns Fragen der Diversität in Bezug auf Barrieren und Diskriminierung aus verschiedenen Perspektiven. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wer davon mit welchen Konsequenzen betroffen ist. Hintergrund werden Ansätze von Digital Divide beziehungsweise digitaler Inklusion sein. Dann werden sowohl rechtliche und ethische Vorgaben ebenso wie Mittel und Wege diskutiert, Barrieren und Diskriminierung zu minimieren. Damit wird ein Kriterienkatalog zur Analyse der Barrierefreiheit und Diskriminierungsfreiheit von Internetangeboten entwickelt. Abschließend werden ausgewählte Angebote der strategischen Kommunikation analysiert und praktische Empfehlungen zur Optimierung von Internetangeboten entwickelt.
Im zweiten Teil des Seminars werden Internetangebote mit Problemen der Barriere- und Diskriminierungsfreiheit optimiert. Dann wird experimentell verglichen, wie die normalen versus die optimierten Angebote von Internet-Nutzenden wahrgenommen werden. Im Zentrum steht die Frage, welche Anforderungen problematisch sind, weil sie die von den Nutzenden nicht angenommen werden und welche Anforderungen auf jeden Fall umgesetzt werden sollten, weil sie bestimmten Personen helfen, ohne dabei andere Nutzende zu stören. Vor allem aber soll diskutiert werden, welche Anforderungen aus welchen Gründen auch dann umgesetzt werden sollten, wenn sie Nutzende stören.
Als Studienleistung sind sowohl ein thematischer Input als auch die aktive Mitarbeit in Teams zur Durchführung empirischer Studien vorgesehen. Als Prüfungsleistung werden diskriminierungs- und barrierefreie Präsentationen und Dokumentationen der im Seminar durchgeführten Studien erstellt.
Als Einstiegt in das Thema:
Haage, A. (2024). Medienrezeption mit Behinderungen. In: Gehrau, V., Bilandzic, H., Schramm, H. & Wünsch, C. (Hrsg.) Medienrezeption, Nomos, S. 657-678.
Hargittai, E. (Hrsg.) (2021). Handbook of Digital Inequality. Elgar.
- Lehrende/r: Volker Gehrau